Futhark heißt das Runenalphabet der Germanen – benannt nach seinen ersten sechs Zeichen: F-U-Þ-A-R-K (ᚠ ᚢ ᚦ ᚨ ᚱ ᚲ). So wie unser „Alphabet“ nach Alpha und Beta heißt, trägt das Futhark seine eigenen Anfangsrunen im Namen. Hier erfährst du, wie sich die Runenreihen über 1.500 Jahre entwickelt haben: vom Älteren Futhark der frühen Germanen über das Jüngere Futhark der Wikinger bis zum angelsächsischen Futhorc.
Das Ältere Futhark: die Urreihe mit 24 Runen
Das Ältere Futhark (ca. 2.–8. Jahrhundert n. Chr.) ist die älteste Runenreihe – 24 Zeichen, die auf Waffen, Schmuck und Steine geritzt wurden. Die frühesten Funde stammen aus Mooren wie Vimose in Dänemark; die älteste vollständig erhaltene Runenreihe trägt der Stein von Kylver auf Gotland (um 400 n. Chr.) – das „Ur-ABC“ des Nordens, in Stein gemeißelt.
Die 24 Runen gliedern sich in drei Familien zu je acht Zeichen, die Ætten (Geschlechter): Freyrs Ætt, Hagals Ætt und Tyrs Ætt. Jede Rune trägt neben ihrem Lautwert eine Bedeutung – von ᚠ Fehu (Wohlstand) bis ᛟ Othala (Erbe). Die vollständige Übersicht mit allen Deutungen findest du auf unserer Seite Runen & ihre Bedeutung; die praktische Buchstaben-Tabelle im Runen-Alphabet.
Das Jüngere Futhark: die Schrift der Wikinger
Um das Jahr 800 – pünktlich zum Beginn der Wikingerzeit – geschah etwas Ungewöhnliches: Die Runenreihe wurde verkürzt, von 24 auf nur 16 Zeichen. Und das, obwohl die nordische Sprache zugleich mehr Laute entwickelte. Weniger Zeichen für mehr Laute: Jede Rune musste nun mehrere Laute abdecken, was das Lesen alter Inschriften bis heute zum Puzzle macht.
Das Jüngere Futhark existierte in zwei Varianten: den Langzweigrunen (Dänemark, feierliche Steininschriften) und den vereinfachten Kurzzweigrunen (Schweden/Norwegen, Alltagsgebrauch). Über 6.000 erhaltene Inschriften – vom dänischen Jelling-Stein bis zu schwedischen Gedenksteinen – nutzen diese Reihe. Mehr zur Wikinger-Schrift samt 16er-Tabelle liest du unter Wikinger-Runen.
Das angelsächsische Futhorc: bis zu 33 Runen
Während der Norden kürzte, erweiterten die Angelsachsen in England die Reihe: Ihr Futhorc wuchs auf bis zu 33 Zeichen, um die Laute des Altenglischen abzubilden. Schon der Name zeigt den Lautwandel: Aus „Futhark“ wurde „Futhorc“, weil sich die vierte Rune von „a“ zu „o“ verschob. Aus dieser Tradition stammen auch die berühmten Runengedichte, die jede Rune in Versen deuten – eine unserer wichtigsten Quellen für die Runenbedeutungen.
Die Runenreihen im Vergleich
| Runenreihe | Zeitraum | Zeichen | Region | Berühmte Zeugnisse |
|---|---|---|---|---|
| Älteres Futhark | ca. 150–800 n. Chr. | 24 | Germanischer Raum | Stein von Kylver, Moorfunde von Vimose, Goldhörner von Gallehus |
| Jüngeres Futhark | ca. 800–1100 | 16 | Skandinavien (Wikinger) | Jelling-Steine, Rök-Stein, 6.000+ Inschriften |
| Futhorc | ca. 450–1000 | bis 33 | England, Friesland | Angelsächsisches Runengedicht, Franks Casket |
Vom Futhark zum lateinischen Alphabet
Mit der Christianisierung kam die lateinische Schrift – und die Runen verloren ihre Rolle als Alltagsschrift. Doch sie verschwanden langsamer, als viele denken: Im schwedischen Dalarna wurden Runen noch bis ins 19. Jahrhundert für Hausinschriften und Kalender genutzt – über 1.000 Jahre nach den Wikingern. Erst dann wurde das Futhark endgültig zur historischen Schrift; heute lebt es in der Runendeutung, in Unicode (ᚠ tippbar auf jedem Gerät) und in der Forschung weiter.